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Inzwischen saß Holly auf dem Sofa im Wohnzimmer, hatte eine dicke Decke umgelegt bekommen und schniefte in einer Tour in die Tasse in ihrer Hand. Der Tee war viel zu heiß, weswegen sie das Porzellan nur an dem dafür vorgesehenem Henkel anfassen und halten konnte. Umringt von ihrer gesamten Familie, die es gerade mal so geschafft hatten ihre Jüngste vor der fast kollabierenden Mrs. Angermayer zu retten und in die sichere Wohnung zu bugsieren. Die Frau konnte man nicht stoppen, war sie einmal in Fahrt. Holly war immer noch ziemlich verwirrt und starrte in das trübe grün in ihrer Tasse. "Es tut mir leid, dass die Eier kaputt gegangen sind.", murmelte sie nur und nieste erneut, weswegen der Inhalt der Tasse verdächtig anfing hin und her zu schwenken. "Kein Problem, Schatz. Wir hatten dich auch eigentlich nur weggeschickt um etwas vorzubereiten.", erwiderte ihre Mutter verschwörerisch und gab ihrer Tochter einen Kuss auf die Wange. "Ach ja? Was denn?" Plötzlich war die Neugier der 17-Jährigen geweckt. "Doch nicht etwa...?" Ihre Augen wurden ganz groß als ihr Vater lächelnd nickte. "Doch, genau das. Dein Vater war kurz im Reisebüro um die Tickets abzuholen. Da er sonst nie außer Haus geht nach der Arbeit hättest du ganz bestimmt Verdacht geschöpft oder zumindestens Fragen gestellt.", erklärte wieder ihre Mutter, die sich neben ihren Mann auf die Lehne des Sessels gesetzt hatte. "Geh schon in dein Zimmer gucken." Das ließ sich Holly nicht zweimal sagen. Sofort war alles vergessen – die dumme Angermayer, der Regen, der Schnupfen. So schnell sie mit der Decke vorwärts kam, da diese wirklich schwer war, lief Holly schnellen Schrittes durch den kleinen Korridor zu ihrem Zimmer. Die Tür war geschlossen, weswegen sie die Türklinke mit dem Ellbogen runter drückte, der gerade am wenigsten Gefahr barg, dass etwas runterfallen könnte, denn die Tasse hatte sie ebenfalls mitgeschleppt. Ein Ausdruck des Erstaunens legte sich auf das hübsche Gesicht der Brünetten. Das ganze Zimmer war voller Luftschlangen, Konfetti und Ballons. Mitten drinne lag ein Geschenkkorb, der bereits Vermutungen zuließ, was das für Tickets gewesen waren, die ihr Vater abgeholt hatte. Es sollte nach Miami gehen. Endlich! Holly hatte sich nichts mehr gewünscht. Hinter dem Geschenkkorb war ein Poster an die Wand gelehnt, wo ´Holly – wir sind so stolz auf dich, dass du endlich deine Traumlehrstelle gefunden hast! Viel Spaß in Miami!´ drauf stand. Ja, Holly war seit circa zwei Wochen in einem Künstleratelier angenommen, wo sich renommierte Künstler die Klinke in die Hand gaben. Drei Leute hatten sich damit selbständig gemacht und sich auf verschiedene Teilgebiete der Kunst spezialisiert. Sue Winters auf die Fotografie, Michael Meyer auf das Entwerfen von Mode und Jessica Stuarts auf das altmodische Malen mit allen möglichen Arten von Farben. Sie hatten das Potential von Holly gleich bei dem ersten Bewerbungsgespräch erkannt und ihr sofort mitgeteilt, sie könnte dort bei ihnen anlernen. Für das junge Mädchen war damit ein unverhoffter Traum wahr geworden. Als Belohnung für ihre harte Arbeit die Schule sehr gut abzuschließen damit sie früher arbeiten gehen kann, anstatt die A-Levels zu machen, wollten ihre Eltern ihr einen ihrer anderen großen Wünsche erfüllen. Dass es ausgerechnet zwei Wochen Miami werden würden, daran hatte Holly nicht gedacht. Gewünscht ja, aber sicher diese zwei Wochen zu bekommen – nein. Garantiert nicht. Um so fröhlicher war sie. Es sollte in drei Wochen los gehen. Bis dahin wäre sie 18 und könnte tun und lassen was sie wollte. Naja, zumindestens alleine verreisen.

15.1.08 21:56
 


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